IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim
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26.09.2021, 17:09 Uhr

Mitglieder

Beschäftigte der SEG nutzen ihr Rückkehrrecht in den Bosch-Konzern

  • 02.07.2021
  • Aktuelles, Betriebe / Branchen, Vertrauensleute

Infostand der IG Metall am ersten Arbeitstag beim neuen und ehemaligen Arbeitgeber

Vertrauensleute und Gewerkschaftssekretäre informieren die Kollegen*innen vor ihrem ersten Arbeitstag beim neuen/alten Arbeitgeber.

Willkommen! Metallerinnen und Metaller sind ein wichtiger Rückhalt in den Wirren von unternehmerischen Entscheidungen.

Mit ihrem unermüdlichen Engagement ermöglichten die Betriebsräte und Vertrauensleute bei der SEG der großen Mehrheit der Betroffenen, für sich eine Perspektive zu entwickeln.

Zum 1. Juli wechselten die ersten 39 Kolleginnen und Kollegen der SEG zurück in das Bosch HiP Werk. Davon sind 30 auch Mitglieder der IG Metall. Morgens um 8 Uhr wurden sie am Werkstor von Personalabteilung, Betriebsrat und Vertrauensleuten Bosch HiP abgeholt.

Zuvor hatte die IG Metall unter dem Motto „Erst Bosch. Dann SEG. Willkommen zurück bei Bosch“ vor dem Werkstor die Rückkehrer begrüßt und ihnen Mut zugesprochen sowie noch einmal Hinweise zu arbeitsrechtlichen Fragen gegeben. Die Noch-Nicht-Mitglieder wurden auf eine Mitgliedschaft angesprochen. Denn: Das Rückkehrrecht in den Bosch-Konzern haben sie der IG Metall zu verdanken!

Viele weitere Kolleginnen und Kollegen der SEG werden in den nächsten Wochen bezahlt freigestellt. Zu jedem 1. Arbeitstag eines Monats in 2021 werden wir als IG Metall die Rückkehrer morgens begrüßen und damit unterstützen.

Einige Beschäftigte mit Rückkehrrecht werden die Abfindung von Bosch annehmen und in die Arbeitslosigkeit wechseln. Für einige ist es eine Überbrückung bis zur Rente, für andere eine unsichere Zeit der Jobsuche.

Wir wünschen allen Kolleginnen und Kollegen alles Gute, wir freuen uns, wenn ihr Kontakt mit uns haltet und würden euch gerne weiter begleiten und unterstützen.

Alle ehemals Beschäftigten der SEG, die noch nicht Mitglied der großen Solidargemeinschaft IG Metall sind, laden wir herzlich ein, solidarisch zu sein und auch Mitglied zu werden.

Die Mini Factory SEG in Hildesheim
Ebenso wünschen wir den verbleibenden 66 Beschäftigten der SEG viel Erfolg für die Mini Factory, für die Akquise von neuen Aufträgen und für die Wahl eines neuen Betriebsrates. Wir als IG Metall unterstützen den Fortbestand der SEG in Hildesheim wie bisher mit großem Engagement.

 

Ein Rückblick: Das AUS für die SEG in Hildesheim? NEIN!

Die Entstehung der SG und der SEG
2017 hat der Bosch-Konzern beschlossen, den Starterbau auszugliedern und die Anteile an die chinesische Gruppe Zhengzhou Coal Mining Machinery Group Company Limited (ZMJ) zu verkaufen. Zunächst entstand die damalige SG. Zwei Jahre später wurde sie in SEG umbenannt, ein Zeichen der zunehmenden Starterentwicklung und -fertigung für Elektro-Autos.

Den Betriebsräten im Konzern ist es 2017 gemeinsam mit der IG Metall und durch sehr viel Druck durch die IG Metall-Mitglieder gelungen, eine Betriebsvereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung abzuschließen. Darin wurde unter anderem geregelt:

  • Eine Standortsicherung bis 31.12.2022
  •  Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 31.12.2020
  • Im Falle einer betriebsbedingten Kündigung gilt für alle Beschäftigte, die von Robert Bosch zur neuen SG gewechselt sind, ein Rückkehrrecht zu Robert Bosch (HiP)
  • Im Falle der Ausübung des Rückkehrrechtes gilt das Arbeitsverhältnis als ununterbrochen bestehen


Das Jahr 2020
Im Juni 2020 kam dann von Seiten des Aufsichtsrats der SEG die Hiobsbotschaft: Teilbetriebsschließung der SEG in Hildesheim und massiver Stellenabbau der SEG in Stuttgart. In Hildesheim sollten noch 11 kundennahe Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Corona-Krise bot dem chinesischen Vorstand und Aufsichtsrat eine Steilvorlage dazu. Der Grund war aber ein anderer: ZMJ hat das Know-How aus Deutschland genutzt, an anderen Standorten, an denen billiger produziert werden kann, die Produktion neu aufzubauen.

Im Sommer und Herbst 2020 hat der Betriebsrat gemeinsam mit Beratern, Rechtsanwälten und IG Metall ein Alternativkonzept für den Erhalt der Produktion in Hildesheim erarbeitet. Nur durch ein fundiertes Konzept sowie dem gut organisierten Druck der Belegschaft und vor allen der IG Metall-Mitglieder gab es einen erneuten Beschluss des Aufsichtsrates: in Hildesheim bleibt eine Mini-Factory mit 66 Arbeitsplätzen erhalten. Dennoch heißt das: ca. 350 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Im Winter wurde durch Betriebsrat und Geschäftsführung der SEG ein Interessensausgleich und ein Sozialplan verhandelt.

Der Betriebsrat der SEG hat zwischen Juni 2020 und Juni 2021 in teils monatlichen Betriebsversammlungen die Belegschaft informiert. Natürlich immer mit Beteiligung der IG Metall. Wegen Corona-Abstandsregelungen waren die meisten Betriebsversammlungen ausschließlich digital.

Die IG Metall und die Vertrauensleute haben die IG Metall-Mitglieder durchgängig mit Briefen und Mailings informiert und unterstützt.

Das Jahr 2021
Im Januar wurden der Interessensausgleich und ein Sozialplan unterschrieben. Ende Januar bekamen etwa 350 Kolleginnen und Kollegen die Kündigungen durch die SEG. Aufgrund der unterschiedlichen Beschäftigungszeit variiert der Zeitpunkt der Wirksamkeit der Kündigung zwischen Ende Juni und Ende Dezember 2021.

  • Rund 50 Kolleginnen du Kollegen, die nach 2017 bei der SG bzw. SEG neu angefangen hatten, wurden zum 30. Juni 2021 gekündigt. Sie sind zurzeit arbeitssuchend, nur wenige haben bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden.
  • Mehr als 300 Beschäftigte haben ein Rückkehrrecht zu Robert Bosch HiP. Dieses haben auch alle geltend gemacht. Die Personalabteilung von Robert Bosch HiP hat allen in Einzelgesprächen eine Abfindung angeboten. Der Betriebsrat von Robert Bosch HiP hat die Kolleginnen und Kollegen dabei nicht alleine gelassen. Mit Unterstützung der Betriebsräte der SEG wurden alle auf Wunsch bei diesen Gesprächen begleitet.


Im Juni wurde dann nacheinander die Starterfertigung und die Ankerfertigung eingestellt. Der jeweils letzte Starter und Anker wurde dem Bosch-Museum in Hildesheim übergeben. Die Kolleginnen und Kollegen haben dann die Produktionsanlagen abgebaut und für den Transport nach Ungarn verpackt.

Mini Factory SEG
Parallel wurde die Halle, in der die verbleibende SEG untergebracht ist, renoviert und umgebaut: Neue Büros, Umkleide- und Pausenräume in derselben Halle, in der auch die Mini Factory untergebracht ist.

Am 1. Juli begann für die verbliebenen 66 Kollegen*innen ein neuer Abschnitt im Erwerbsleben. Unsere Unterstützung ist ihnen gewiss.

 

 

 


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