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21.07.2024, 10:07 Uhr

Sozialversicherungen

Studie: Beschäftigte wollen gesetzliche Rente finanziell stärken

  • 07.07.2024
  • Aktuelles, Vertrauensleute

Die Beschäftigten in Deutschland möchten mehr in die gesetzliche Rentenkasse investieren. Für eine auskömmlichere Altersversorgung wären sie sogar zu höheren Beiträgen bereit. Das ermittelte das Umfrageinstitut Verian (ehemals Kantar Public) in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft IG Metall.

IG Metall: Eine solidarische Gemeinschaft.

Mehr Geld für höheres Rentenniveau und Extra-Zahlungen in gesetzliche Rente
Nur jede*r zehnte Befragte (11 Prozent) findet das derzeitige Rentenniveau ausreichend. Mit Blick auf die oft in der Diskussion stehenden Rentenbeiträge fordern nur 9 Prozent der Befragten ein niedrigeres Niveau, um den Beitragssatz langfristig stabil zu halten. Zwei Drittel (67 %) dagegen fordern ein höheres Rentenniveau, auch wenn das etwas höhere Rentenbeiträge bedeuten könnte. Das Rentenniveau soll mit dem geplanten "Rentenpaket II" der Bundesregierung auf 48 Prozent des durchschnittlichen Einkommens stabilisiert werden.

Die Beschäftigten sind sogar bereit, mit Extra-Zahlungen freiwillig zusätzliche Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung zu leisten. Die in Teilen heute schon bestehende Möglichkeit freiwilliger Zusatzbeiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen wäre für 70 Prozent der Befragten eine ausbaufähige Möglichkeit, um persönlich höhere Rentenansprüche zu erlangen: 41 Prozent aller Beschäftigten würden freiwillige zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse von einer paritätischen Beteiligung des Arbeitgebers abhängig machen. 29 Prozent unterstützen die Idee bedingungslos.

Hans-Jürgen Urban, für Sozialpolitik verantwortliches Vorstandsmitglied der IG Metall: "Allen Angriffen und Abgesängen zum Trotz: Die Beschäftigten wollen die gesetzliche Rente gestärkt wissen. Die Säule der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Wichtigste und Verlässlichste, was die Menschen im Alter haben."

Beschäftigte wollen und müssen früher in Rente
Die Forderung nach Einschnitten bei der Rente nach 45 Arbeitsjahren lehnen die Wahlberechtigten ab. Mehr als neun von zehn Befragten (93 Prozent) sprechen sich dafür aus, dass Beschäftigte nach 45 Arbeitsjahren ohne Abschläge in Rente gehen können.

Urban: "Rentenpolitische Szenarien, die auf sinkende Renten und steigende Altersgrenzen setzen, entfernen sich von der Lebensrealität und den Wünschen der Menschen. Eine solche Politik befeuert Abstiegsängste, Wut und Vorbehalte gegen das politische System. Die politischen Nutznießer einer solchen Entwicklung sind hinlänglich bekannt."

So bewegen sich die Wünsche und Arbeitswirklichkeiten der Beschäftigten diametral zu den Diskussionen im politischen Raum: Befragt nach dem Wunsch-Alter für den Ruhestand, wollen 11 Prozent unter 60 Jahren in Rente, 51 Prozent im Alter zwischen 60 und 63 Jahren, 27 Prozent zwischen 64 und 67 Jahren. Mit 68 oder älter wollen nur 3 Prozent noch arbeiten.

Das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren sehen unter ihren gegenwärtigen Arbeitsbedingungen 53 Prozent der Erwerbstätigen als nicht realistisch an. Je niedriger der Bildungsabschluss und damit die berufliche Entwicklung, desto unerreichbarer wird eine Rente mit 67 gesehen. Über das Alter von 67 Jahren hinaus arbeiten zu können, ist lediglich für 23 Prozent vorstellbar; 75 Prozent der Befragten sehen ein längeres Arbeiten als nicht realistisch an.

Urban: "Die Menschen erteilen der Debatte um immer höhere Altersgrenzen eine Absage. Wer das Renteneintrittsalter erhöht, erhöht faktisch nur die Rentenabschläge der Beschäftigten. Wir brauchen stattdessen Altersgrenzen, die der Arbeits- und Lebenswirklichkeit der Menschen entsprechen. Und wir brauchen Arbeitgeber, die endlich altersgerechte Arbeitsplätze einrichten."

Hintergrund
Befragung "Einstellungen zum Thema Rente 2024": Repräsentative Online-Befragung (CAWI) unter 1.063 Befragten (Wahlberechtigte Bevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland), durchgeführt von Verian Deutschland, Berlin (ehemals Kantar Public); Quotenstichprobe aus Access-Panel, Gewichtung nach soziodemographischen Merkmalen; Erhebungszeitraum 22. – 27. Mai 2024

Quelle: IG Metall Vorstand, Pressemitteilung vom 1.7.2024.


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