IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim
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18.11.2019, 08:11 Uhr

Funktionärskonferenz und Podiumsdiskussion über die Arbeitszeit

"Reden wir zu wenig über die Belastungen durch ausufernde Arbeitszeiten?“

  • 20.05.2017
  • Aktuelles

Die Metaller aus den Regionen Alfeld, Hameln und Hildesheim diskutieren seit rund zwei Jahren über die Entgrenzung von Arbeitszeit. Mit den Beschlüssen des Gewerkschaftstages 2015 nahm die Diskussion innerhalb der IG Metall bundesweit Fahrt auf. Nachdem nun die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung 2017 der IG Metall vorliegen steht fest: In Bezug auf die Gestaltung der Arbeitszeit besteht ein enormer Handlungsbedarf.

Foto: IG Metall

Uwe Mebs präsentierte in seinem Impulsreferat Auszüge aus der Beschäftigtenbefragung. Die Kernaussagen lauten:

  1. Arbeitszeit soll planbar und beeinflussbar sein.
  2. Die Arbeitszeit soll vollständig erfasst werden
  3. Die Arbeitszeit soll vollständig vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden.

Diese Grundsätze stehen im Gegensatz zu den maßlosen Flexibilisierungsforderungen der Arbeitgeberseite.

In der von Timo Kwiatkowski moderierten Podiumsdiskussion mit den Kollegen Björn Breuer, Phoenix Contact Electronics GmbH, Johannes Katzan, IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Oliver Macho, Wabco GmbH, Stefan Störmer, Betriebsratsvorsitzender, Robert Bosch GmbH und dem Betriebsarzt Dr. Brun Witkowski wurden die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung am Beispiel der betrieblichen Realität diskutiert.

Das Gefühl für die Arbeitszeit könne zum Beispiel in Forschungs- und Entwicklungsbereichen dadurch verloren gehen, dass man gewissermaßen sein Hobby zum Beruf gemacht habe und die notwendige Differenzierung zwischen Job und Privatleben unterlasse.

Bei der Frage der Belastungen durch Arbeitszeitmodelle wurde sehr schnell deutlich, dass zu lange Arbeitszeiten oder zu kurze Ankündigungsfristen bei Wechsel des Arbeitszeit - oder Schichtmodells nicht nur die private Lebensplanung nahezu unmöglich machen, sondern auch zu psychischen Erkrankungen führen können. In Bezug auf Schichtarbeit wurde die Position vertreten, dass Beschäftigte ab 50 Jahren aus medizinischen Gründen aus der Schichtarbeit herausgenommen werden müssten.

Inwieweit mobiles Arbeiten für die Arbeitnehmer tatsächlich eine persönliche Bereicherung sein kann sei dahingestellt. Der Leistungsdruck, der im Betrieb herrscht werde nicht durch die neue Arbeitsorganisation vermindert. Aus Sicht der Gewerkschafter sei das Grundübel zu langer Arbeitszeiten, dass oftmals Personal fehle, das aus Kostengründen nicht aufgestockt werde. Entscheidend für das persönliche Wohlbefinden dürfte auch sein, dass die Verschmelzung von Privatleben und Arbeit unterbunden werde.

Das Fazit der Diskussion war eindeutig: Die Arbeitszeit ist gestaltbar und nicht gottgegeben! Es liegt auch an den Arbeitnehmern selbst, wie die Arbeitszeitmodelle der Zukunft aussehen werden.

An der bundesweit durchgeführten Beschäftigtenbefragung der IG Metall beteiligten sich mehr als 680.000 Beschäftigte in rund 7.000 Betrieben, davon 6.321 aus unserer Geschäftsstelle.


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